Entwicklung des Museumshafens
Von der ersten Hanse Sail bis heute
Die Wurzeln des Vereins reichen weiter zurück: Bereits im August 1987 trafen sich Eigner historischer Schiffe zu privaten Segeltreffen vor Rügen. 1988 folgte der erste öffentliche Auftritt mit traditionellem Rigg beim Gaffelrigg-Fischerfest in Greifswald-Wiek. Am 13. Januar 1990 wurde an Bord des FGS „Fritz Heckert" in Stralsund die Traditionsseglervereinigung der DDR gegründet — nach der Wiedervereinigung umbenannt in Traditionsseglervereinigung Mecklenburg-Vorpommern e. V.
Seit der ersten Hanse Sail im Jahr 1991 ist die 1920 gebaute Galiot der Gebrüder Wenzel Concordia bei der Sail in Rostock mit dabei. Damals führte sie die Parade der kleineren Traditionssegler als eines der wenigen heimischen Gastgeberschiffe an. Bürgermeister Wolfgang Zöllig hatte am Vortag den Museumshafen eröffnet und ihn an die Traditionsseglervereinigung Mecklenburg-Vorpommern e. V. übergeben, der Hans-Peter Wenzel vorstand.
Mit dem Museumshafen reihte sich die Hansestadt Rostock in den Kreis der Hafenstädte wie Flensburg, Hamburg, Lübeck und Bremerhaven ein, die es schon viele Jahre zuvor verstanden, ihr Stadtbild durch den Anblick alter Schiffe zu bereichern. Rostock mit Warnemünde war damals Gastgeber für Schiffe aus vielen Nationen — für Großsegler, Traditions- und Museumsschiffe, unzählige Yachten und 22 gemeldete Zeesboote. So viele ehemalige Fischerboote lagen noch nie im Rostocker Stadthafen; für viele von ihnen war es die erste Reise über See.
Zeitgleich entstanden in Greifswald und Wustrow Museumshäfen — in Mecklenburg-Vorpommern gab es knapp fünfzig Zeesbootbesitzer in den Häfen Wustrow, Bodstedt und Stralsund. Heute bewegt sich die Zahl bei etwa 100 Zeesbooten, und es kommen neue wie alte hinzu.
Um den Rostocker Traditionsseglern eine Heimstatt zu geben und aus ihren Betreibern und deren Freunden eine Gemeinschaft zu bilden, wurde zu Jahresbeginn 1992 der Museumshafen Hansestadt Rostock e. V. von 24 Segelsportfreunden gegründet. Mittlerweile hat sich der Hafen in Ansicht und Größe verändert, die Mitgliederzahl mehr als verdoppelt. Der ehemalige Schwimmsteg wich 1998 einer festen, neuen und längeren Kaianlage. Das Vereinshaus mit Terrasse, Flaggmasten und Schiffsglocke wurde saniert und stilvoll eingerichtet; eine große Tafel begrüßt die Gäste zu Wasser und an Land.
Immer mehr Traditionsschiffstypen, Gaffelkutter und „alte" (klassische) Yachten bereichern heute das Hafenbild. So finden sich außer den regionalen Schiffstypen auch historische Schiffe aus Dänemark, Schweden, Norwegen, England, Schottland und von der Nordseeküste darunter. Neben Exoten wie dem schottischen Zulu Karoline of Kirkwall und dem Rostocker Lotsenversetzboot Gellen aus den 1950ern liegen hier die dänische S55-Klassenyacht Jasda von 1934, die ehemaligen Nordsee-Krabbenkutter der 1930er Jahre, die Quatze Oll Karl von 1910, die Kutteryacht Glauke oder der fast 100-jährige britische Falmouth-Pilotkutter Fair Dawn — dazu Repliken und historische Yachten wie der Cornish Crabber Betty. Das älteste Schiff ist das zur kleinen Jacht umgebaute Warnemünder Fischerboot Hiddem von 1888.
Alle diese Schiffe werden mit viel Enthusiasmus und Herzblut von ihren Eignern erhalten und gepflegt. Das ist Grundtenor und Satzungszweck der Vereinigung: das Betreiben und Erhalten von traditionellen Wasserfahrzeugen und die Pflege maritimer Tradition und Seemannschaft.
Nicht nur die Mitglieder schätzen die gastfreundliche Atmosphäre im Rostocker Museumshafen — auch viele wiederkehrende Sportfreunde aus Nord- und Ostsee sind hier fast zu Hause. Zur Hanse Sail und zu den Hafentagen wird es oft eng im kleinen Becken des Haedgehafens: Dann legt man sich ins Päckchen und rückt enger zusammen. Man kennt sich beim Namen und hilft einander. Der Verein ist stolz darauf, dass seine Gründerväter Initiatoren der ersten Hanse Sail waren.
— nach Hans-Peter Wenzel, Gründungsvorsitzender